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Fang nicht mit der AI-Strategie an. Fang mit dem Postfach an.

4 Min Lesezeit · 10. Juli 2026

«Wir müssten auch mal etwas mit AI machen.» Der Satz fällt zurzeit in fast jeder Firma, und meistens folgt ihm ein grosses Dokument, eine Strategie, eine Tool-Evaluation, ein Projektantrag. Bei uns folgt ihm etwas Kleineres: ein Programm, das jeden Morgen um 08.45 Uhr läuft.

08.45 Uhr, jeden Morgen: Aus dem Postfach wird eine fertige Tagesliste. Sortierarbeit, keine Entscheidungen.

Was um 08.45 Uhr passiert

Das Programm liest unser Postfach, in beide Richtungen. Für jeden offenen Kontakt in unserer Verkaufsliste prüft es, ob eine Antwort gekommen ist und was wir selbst zuletzt geschrieben haben, trägt beides in der Kartei nach und schreibt dann die Tagesliste neu: welche Antworten heute fällig sind, wo nachzufassen ist, wo seit zwei Wochen Stille herrscht. Die Liste, die früher jeden Morgen beim Scrollen durchs Postfach im Kopf entstand, steht fertig da, bevor der Kaffee durchgelaufen ist.

Zwei Eigenheiten daran sind Absicht. Das Programm läuft auf dem eigenen Rechner, ohne Cloud-Dienst dazwischen. Und es erfindet nie Daten: Findet es keine belegte Mailadresse, bleibt das Feld leer, statt dass eine plausible hineingeraten wird.

Warum dieser Job und kein grösserer

Weil er drei Eigenschaften hat, die einen ersten AI-Einsatz tragen. Er kommt jeden Tag vor, also zahlt sich jede Stunde Arbeit daran täglich aus. Sein Ergebnis lässt sich in einer Minute nachprüfen, ein Blick ins Postfach genügt. Und wenn er danebenliegt, passiert nichts Schlimmes; dann ist eine Zeile auf einer Liste falsch, mehr nicht. Sortierarbeit, keine Entscheidungsarbeit.

Der übliche erste Wurf ist das Gegenteil: der Kundenchatbot, die automatische Offerte, das grosse sichtbare Ding. Dort ist das Ergebnis schwer zu prüfen, der Schaden im Fehlerfall echt, und weil niemand der Maschine beim Arbeiten zusehen kann, traut ihr auch niemand. Viele AI-Projekte sterben nicht an der Technik, sondern an diesem fehlenden Vertrauen.

Die Strategie kommt nicht vor dem ersten laufenden Ding. Sie wächst daraus.

Was aus dem kleinen Ding wird

Nach ein paar Wochen mit so einem Helfer weisst du zwei Sachen aus eigener Anschauung: was die Maschine bei euch zuverlässig kann, und an welchen Stellen sie danebenliegt. Mit diesen zwei Beobachtungen wird das Strategiegespräch ein anderes. Es redet über euren Betrieb statt über Broschüren, und die nächste Automatisierung sucht ihr euch dort, wo die erste schon trägt.

So arbeiten wir AI-Beratung

In der Beratung suchen wir zuerst deinen 08.45-Moment: die Sortierarbeit, die bei euch jeden Tag anfällt und deren Ergebnis sich schnell prüfen lässt. Die bauen wir zuerst. Über Strategie reden wir, sobald etwas läuft, an dem man sie festmachen kann.

Schreib uns, welche Aufgabe bei euch jeden Morgen Zeit frisst. Das ist meistens der Anfang.

«Wir müssten auch mal etwas mit AI machen» ist übrigens ein guter Satz, er zeigt, dass die Neugier da ist. Er braucht nur eine andere Fortsetzung als ein Dokument. Bei uns hängt sie an einer Uhrzeit, und der Arbeitstag beginnt seither nicht mehr mit Scrollen, sondern mit einer Liste, die schon da ist.