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Entscheiden

Gib der Geschäftsleitung etwas zum Anklicken

4 Min Lesezeit · 18. Juli 2026

Traktandum vier, das AI-Vorhaben. Vierzig Folien, zwanzig Minuten Diskussion, drei Meinungen. Im Protokoll steht danach der teuerste Satz, den ein Projekt kennt: «Wird an der nächsten Sitzung wieder aufgenommen.»

Fünf echte Nutzer an einem Prototyp. Danach steht im Raum eine Beobachtung, wo vorher eine Meinung stand.

Der Satz kostet mehr als jede Offerte, weil einen Monat lang alle weiterarbeiten wie bisher und die Frage danach noch genau dieselbe ist. Vertagt wird selten aus Faulheit. Vertagt wird, weil auf dem Tisch nichts liegt, woran sich der Entscheid festhalten kann.

Warum die Folie nicht entscheidet

Eine Folie beschreibt das Vorhaben, aber niemand im Raum hat es benutzt. Also sind alle Einwände Vermutungen, und bei Vermutungen gewinnt die lauteste oder die vorsichtigste Stimme. Beides hat mit dem Vorhaben nichts zu tun. Am Prototyp ändert sich die Art der Einwände. Aus «ich glaube nicht, dass das jemand braucht» wird «bei diesem Schritt würde ich aussteigen», und über den zweiten Satz kann man reden, weil er eine Stelle nennt.

So haben wir es für einen Schweizer Grosskonzern gebaut. Eine Entscheidungsvorlage zu einem AI-Programm, und jeder Anwendungsfall darin ist kein Bild, sondern ein kleiner klickbarer Prototyp, Schritt für Schritt durchspielbar, am Laptop und am Handy. Wer entscheiden soll, kann vorher ausprobieren, worüber er entscheidet.

Woher der Beweis kommt

Ausprobieren im Sitzungszimmer ist der halbe Weg. Die andere Hälfte kommt von Leuten, die nicht im Raum sitzen. Jakob Nielsen hat im Jahr 2000 gezeigt, dass schon fünf Testnutzer rund 85 Prozent der Bedienprobleme aufdecken; weitere Nutzer finden vor allem dieselben Probleme noch einmal. Für einen Entscheid heisst das: Es braucht keine Studie mit tausend Teilnehmerinnen. Fünf echte Nutzer benutzen den Prototyp unter Beobachtung. Mehr braucht es nicht, damit in der Sitzung Meinung gegen Beobachtung steht statt Meinung gegen Meinung.

Ein vertagter Entscheid kostet einen Monat. Fünf Nutzer am Prototyp kosten ein paar Tage.

So arbeiten wir Prototyp-Sprint

Du kommst mit der Frage, die deine Geschäftsleitung entscheiden muss. Wir bauen den Fall als klickbaren Prototyp und legen ihn fünf echten Nutzern vor. In die Sitzung gehst du mit etwas, das jede im Raum selbst durchspielen kann, und mit dem Protokoll dessen, was fünf Leute damit getan haben.

Ob der Entscheid dann Ja oder Nein heisst, entscheidet ihr. Dass er fällt, ist der Sinn der Übung.

Traktandum vier, dieselbe Sitzung, ein anderer Tisch. Darauf ein Prototyp, den jede vorher fünf Minuten benutzt hat, daneben die Notizen aus fünf Nutzertests. Vielleicht heisst der Entscheid Nein, auch das ist ein guter Ausgang. Aber der Satz «wird wieder aufgenommen» hat es schwer, wenn man das Vorhaben anfassen konnte. Fürs Protokoll gibt es readme, unser eigenes Werkzeug. Es macht aus der Aufnahme der Sitzung das fertige Protokoll.